Monster in my bed ( German version)

 In letzter Zeit hatte ich wenig Inspiration, aber ich habe nachgedacht und so viele verschiedene Geschichten gehört, dass ich entschieden habe vollkommen offen darüber zu reden. Ganz egal, wer es lesen wird. Denn das ist der Grund, warum ich diesen Blog angefangen habe, um die Menschen durch meine eigenen Erfahrungen zu erreichen.

Vor ungefähr dreieinhalb Jahren habe ich eine 2,5 Jahre lange Beziehung beendet. Als ich diese Person getroffen habe, war ich 17. Eine zufällige Begegnung. Durch die Umstände, unter denen wir uns kennengelernt haben, glaube ich heute noch, dass es vorherbestimmt war und ich meine Lektion durch ihn lernen sollte.

Ich werde keine Timeline verfolgen von dem wie es anfing bis zum bitteren Ende. Worüber ich sprechen will ist emotionale und mentale Manipulation, sexueller Missbrauch, Kontrolle und wie man mit deren Folgen umgeht.

Lasst mich damit anfangen, zu sagen, dass das Ende nicht schlecht war, nein, ganz im Gegenteil. Ich habe mich noch nie so beherrscht und unter Kontrolle gehabt, wie an dem Tag als ich es beendete. Das was schlecht war, war die ganze Beziehung und ich werde jetzt nicht sentimental werden und von guten Momenten reden, denn all die guten Momente waren nur die Folgen von seinen Taten, die er versucht hat wieder gut zu machen.

Die Beziehung fing damit an, dass ich herausfand, dass er Kokain sowohl verkaufte als auch selbst konsumierte, was damit endete, dass er mich mit einem Messer bedrohte, weil ich versucht habe ihn vor einer Schlägerei zu bewahren, mit drei Typen, die fünfmal so groß waren wie er. Ich hätte genau in diesem Moment gehen sollen, aber ich tat es nicht. Warum? Weil mein 17-jähriges ich daran glaubte, ihn retten zu können.

Was darauf folgte, waren viele Zusammenbrüche und Tränen. Von ihm kamen nur Versprechen, dass er sich ändern würde, dass er Hilfe brauchte. So nun, wie verlässt man jemanden, der um Hilfe bettelt? Ich hatte die leise Vorahnung, dass das eine Last sein würde, die ich mein restliches Leben mit mir herumtragen würde. Um euch die Entwicklung unserer Beziehung ein bisschen zu verdeutlichen werde ich euch ein paar Punkte ohne viele Details aufzählen, damit ihr euch selbst ein Bild davon machen könnt, was für mich normal war.

  • Wenn ich in seiner Gegenwart mit seinen Freunden geredet habe, ist er gegangen und hat mich Hure genannt
  • Wenn ich ihm nur 20 Minuten nicht gleich geantwortet habe, hat er mich beschuldigt fremdzugehen
  • Wenn ich ihm gesagt habe, wie mich gewisse Dinge verletzen, meinte er nur ich würde ihn nicht genug lieben um ihm zu vergeben
  • Wenn ich zu früh eingeschlafen bin, hat er mich und meine Familie beleidigt und mich für mindestens zwei Tage blockiert
  • Wenn ich zu gewissen sexuellen Dingen „Nein“ gesagt habe, sagte er nur, dass er jemand anderen finden würde, der die Dinge tut die er will und wenn mich das nicht dazu bringen würde es zu tun, würde er mich verlassen
  • Wenn ich zu manchen Sachen während dem Sex „nein“ gesagt habe, hat er mein Weinen und Flehen ignoriert und einfach weiter gemacht
  • Wenn ich ihm ein Bild von mir geschickt habe, war seine Antwort nur; „denkst du, du bist ein Model?“
  • Wenn ich zu Hause aus Langeweile meine Haare verändert habe, hat er mich beschuldigt, ich würde hinter seinem Rücken feiern gehen
  • Er nahm mir meine Freunde (am Ende hatte ich keine mehr)
  • Wenn ich weinend zu ihm kam, weil ich Probleme mit meiner Familie hatte, hat er mich nur mit leerem Blick angeschaut und gemeint ich solle damit aufhören zu denken, die Welt drehe sich nur um mich
  • Er hat mir ins Gesicht gesagt, dass er mit meiner besten Freundin schlafen würde, weil sie hübscher ist als ich
  • Wenn er mich nach Hause gebracht hat, hat er gewartet, bis mein Licht anging, so dass er sich sicher sein konnte, dass ich wirklich zu Hause war
  • Ich durfte auf keine Geburtstage oder andere Events gehen, weder mit noch ohne ihn
  • Wenn ich mit Freunden unterwegs war, und mich ein Junge nach dem Weg, oder nach einer anderen Simplen Sache gefragt hat, habe ich Panikattacken bekommen und habe gleich so viel Abstand wie möglich gehalten, weil ich dachte er würde mich sehen und denken ich würde flirten

Das ist mehr, als ich je jemanden erzählt habe und das ging zwei Jahre so. Warum? Weil ich naiv war. Ja es ist mein Fehler, weil ich Angst hatte ihn zu verlassen, weil er mich Glauben gemacht hat, dass ich ohne ihm alleine wäre, dass niemand außer ihm mich lieben könnte, weil ich wertlos bin. Das ist das was ich geglaubt hatte. So was war der entscheidende Punkt für mich es zu beenden?

Es war ein Mittwochabend und am nächsten Tag hatte ich Schule. Ich bin gegen 10 Uhr abends eingeschlafen und wachte auf, 183728 beleidigende Nachrichten von ihm und mal wieder blockiert. In der Schule hatte ich dann einen totalen mentalen Zusammenbruch und ich danke Gott für die Mädchen in dieser Schule. Ich hatte 15 Mädchen um mich herum, die mir sagten ich solle aufhören und es beenden, dass unsere Beziehung ein unerreichbares Level an Giftigkeit erreicht hatte, dass ich realisieren solle, dass ich ihn nicht brauche, dass ich stark bin. Ich kann euch nicht sagen, wie viel Stärke mir diese Worte gegeben haben. Nach 2,5 Jahren war ich endlich stark genug, es zu beenden, zu gehen. Meine beste Freundin (hallo Nuni) hat eine sehr wichtige Rolle bei der ganzen Sache gespielt. Sie war seit Wochen dabei und anfangs hörte ich ihr nicht zu. Am Donnerstag nachdem er entschied ich war seiner Aufmerksamkeit wieder wert, nahm er mich nicht ernst, als ich sagte „ich will nicht mehr, es ist vorbei“. Ich habe es geschafft ihn endlich aus meinen social media zu löschen, seine Nummer zu blockieren und auch komplett seine Existenz auszuradieren. An diesem Tag rief ich sie an und ich erinnere mich daran, dass ich geweint hatte und ihr kaum atmend gesagt hatte: „Es fühlt sich eher wie eine Befreiung an als Schmerz.“ Ab diesem Tag war sie da, jeden Tag, jede Minute, jedes Mal, wenn ich zurückgehen wollte, war sie da um mich zu erinnern warum ich genau das nicht tun darf. Sie und die Mädchen aus der Schule haben mir das Leben gerettet. Und nein, sie haben es mir nicht abgenommen, ich habe es selbst geschafft. Ich bin gegangen. Aber ich bin gegangen, weil sie mir die Kraft dafür gegeben haben, weil sie mehr an mich geglaubt haben als ich selbst.

Ich glaube ich muss gar nicht erst erwähnen, wie sehr er mich angefleht hatte zurückzukommen, es dauerte Monate und selbst jetzt versucht er es manchmal noch immer.

Aber hat mir diese Stärke mein Trauma und meinen Schmerz genommen? Nein.

Als ich diese Beziehung beendete, war ich in millionen Stücke zerbrochen, traumatisiert, verwundet, schwach und unsicher. Für 3-4 Monate war ich wie in Trance, weil ich endlich frei war, doch dann setzte die Posttraumatische Belastungsstörung ein, plötzlich bekam ich Panikattacken, Albträume, Depressionen, Angstzustände und obwohl ich versucht habe es zu verstecken, musste ich damit leben und letztendlich schrieb ich eine Liste mit jeder traumatisierenden Erfahrung, die ich wegen ihm hatte. Und endlich realisierte ich, dass ich ein Opfer von mentaler, emotionaler und auch sexueller Gewalt war und ich kam damit nicht klar. Ich wollte KEIN Opfer sein. Ich wollte nicht sagen müssen, „ich musste dadurch“, Ich wollte kein Mitleid von Anderen. Die erste Person, mit der ich darüber redete, war wieder meine beste Freundin und ich erinnere mich, wie sehr ich mich geschämt hatte und nicht fähig war, ihr in die Augen zu sehen, weil ich mich fühlte, als wäre meine Würde und meine Reinheit völlig zerstört worden. Ich fühlte alles, was ich während der traumatischen Erlebnisse unterdrückt hatte, plötzlich und auf einmal. Ich wollte meiner Familie nicht erzählen, dass ich von jemandem den ich geliebt hatte, sexuell misshandelt wurde, der gleichen Person, die mir gesagt hatte, „wenn du mich lieben würdest, müsste ich dich nicht zwingen“. Dieser Satz hat sich in mir festgesetzt. Ich erinnere mich jeden Tag an ihn. Ich wollte zu keiner Therapie gehen und darüber reden, ich wollte nichts dergleichen, ich wollte nicht, dass es wahr war. Es hat sehr sehr lange gedauert, bis ich es geschafft habe zu aktzeptieren, dass diese Erlebnisse nun Teil von mir waren. Ja, diese Beziehung hat mir einen Teil meiner Seele genommen, aber den Teil, der noch übrig ist nutze ich so gut es geht. Als ich nicht mehr damit umgehen konnte, suchte ich mir Hilfe bei einer Hotline und redete fast eine Stunde lang mit einer Frau und erzählte ihr alles, wie es passierte, wann es passierte und sie sprach es laut aus: „Du warst Opfer von sexuellem Missbrauch.“ Und sie brachte mich dazu es selbst laut auszusprechen. Das war der Zeitpunkt, an dem ich realisierte, dass es wirklich passiert ist.

Nun musste ich mich von all diesen Verletzungen erholen, ich musste etwas finden, das mir helfen konnte, denn ich war noch nicht bereit darüber zu reden. Ich stieß jeden Jungen von mir weg, weil ich nicht wusste, wie ich ihnen die Wahrheit sagen sollte. Aber es passierte, dieses Jahr fing ich an meine Geschichte mit ein paar mehr Leuten zu teilen und alle sagten mir, „du musst nicht darüber reden, wenn du nicht möchtest“, aber ich wollte es. Es wurde mir wichtig, dass die Menschen in meiner Nähe meine Geschichte kennen und dass sie wissen, dass ich sie verstehe, falls sie das selbe erlebt haben oder sollten sie, Gott bewahre, in solch eine Situation kommen. Weil ich verstehe wie sich dieses Schamgefühl anfühlt, wie es sich anfühlt angst zu haben, darüber zu reden, weil man es selbst nicht verstehen kann. Und wenn es ihnen nicht passiert, werden sie es nie schaffen es zu verstehen. Und das ist okay, ich mache ihnen daraus keinen Vorwurf. Aber es gibt Menschen, die das sehr gut verstehen, und es ist okay sich Hilfe zu suchen. Denn nach 3 Jahren fühlte ich mich endlich bereit Hilfe anzunehmen und ich bin bereit auch anderen zu helfen, die dasselbe durchmachen mussten wie ich.

Ich will, dass alle von euch, die das lesen, dass sie die Anzeichen von jeder Art Gewalt erkennen und gehen. Findet eine Person, der ihr vertrauen könnt, bittet sie um Hilfe und geht. Wenn nötig geht zur Polizei. Ihr müsst realisieren wie wertvoll euer Leben ist und dass ihr NICHT wertlos oder allein seid.

Es gibt so viele junge Mädchen und Jungen, die eine giftige Beziehung führen und denken, es soll so sein. Aber soll es nicht. Liebe sollte nicht wehtun, niemals. Bitte denkt immer daran und beim ersten Zeichen von Gewalt, versucht nicht derjenigen zu retten, geht und rettet euch selbst. Das sollte Priorität sein und zwar immer.

Ihr wollt wissen, wie ich mit Beziehungen umgehe? Garnicht. Ich gab mir selbst Zeit damit klarzukommen und eine Menge mehr Zeit um zu dem Punkt zu gelangen, an dem ich meine Vergangenheit akzeptierte und akzeptierte wer ich bin. Das Trauma, das darauf folgte ist immer noch da, aber ich arbeite daran und sollte ich jemandem begegnen, der bereit ist mit mir zusammen daran zu arbeiten, bin ich endlich bereit ihm eine Chance zu geben.

Aber bei diesem Blogpost geht es nicht um mich. Zwar ist es meine Geschichte, aber was ich will ist, dass die Menschen wissen, dass sie nicht alleine sind, wenn sie jemanden brauchen um über diese Themen zu sprechen. Vielleicht gibt meine Geschichte dem ein oder anderen die Kraft endlich ihre gewaltige Beziehung zu beenden oder sich endlich Hilfe zu suchen. Oder auch einfach ihre Geschichte mit mir zu teilen, wenn sie wollen. Ich habe mich so lange alleine gefühlt. Es fühlte sich an, als hätte ich keine Stimme, oder niemand hätte zugehört.

Aber es gibt Menschen, die sich kümmern und du bist NIEMALS allein.

Entscheide dich für dich, Bitte